Paracelsus-Spital auf dem Weg der Besserung (NZZ)

Richterswiler Krankenhaus schreibt wieder Gewinn

Das Paracelsus-Spital in Richterswil hat eine schwierige Zeit hinter sich. Mit Schimpf und Schande deckte es die Gewerkschaft VPOD im letzten Jahr ein: Das Management habe das Haus mit Fehlentscheiden an den finanziellen Abgrund geführt und lasse nun das Personal fürseine Fehler bezahlen. Tatsächlich hatte das Spital Ende 2014 und Anfang 2015 insgesamt rund 40 Stellen gestrichen. Der neue Haupteigentümer, die NSN Medical AG, hat nach ersten Erfolgen auf Wachstum gesetzt. Doch plötzlich stagnierten die Zahlen.

Rückblickend müsse er eingestehen, dass sie damals einen Fehler gemacht hätten,räumte Spitaldirektor Jens Weber im letzten Sommer ein. Für 2015 wies das Spital ein Defizit von 2,1 Millionen Franken aus – bei einem Umsatz von rund 40 Millionen. Gleichwohl blickte Weber optimistisch in die Zukunft. Mit einer Fokussierung auf die Kernbereiche und Effizienzsteigerungen könne man auf den Erfolgspfad zurückkehren. NSN CEO Jürgen Robe rechnete vor, dass das Spital im Jahr rund 4 Millionen Franken Gewinn erwirtschaften müsse, um längerfristig bestehen zu können.

Mittlerweile scheint sich die Lage tatsächlich beruhigt zu haben. Weber und Robe präsentierten am Dienstag ihre Pläne für die Zukunft sowie vorläufige Geschäftszahlen für das vergangene Jahr. 2016 hat das Spital einen Gewinn von knapp einer Million Franken erzielt. «Damit haben wir unser Ziel einer Ergebnisverbesserung von 6 Millionen Franken bereits zur Hälfte erreicht»,
sagte Robe. Und obwohl die private Etzelclinic AG letzten März den Belegarztvertrag mit dem Spital gekündigt hatte, blieb die Zahl derstationären Fälle stabil. Einzig bei den Operationen gab es einen leichten Rückgang, dafür wurde aber ein deutlicher Anstieg bei den ambulanten Behandlungen verzeichnet. Gerade in den Bereichen Geburtshilfe und Onkologie seien die Angebote des Paracelsus-Spitals besonders gefragt.

Das Haus setzt darauf, Schulmedizin mit Komplementärmedizin zu kombinieren – die Ärzte verfügen über eine Doppelausbildung. Mittlerweile ist die NSN Medical AG alleinige Eignerin des Spitals. Sie hat dem ehemaligen Trägerverein, der sich der Förderung der anthroposophischen Medizin verschrieben hat, sämtliche Anteile abgekauft. Gleichwohl werde man aber auch in Zukunft anthroposophische Medizin anbieten, sagte Robe. «Es geht nicht darum, das Spital neu zu erfinden. Vielmehr wollen wir unsere Stärken ausbauen.»

Ganzer Artikel als PDF: Neue Zuercher Zeitung_18.01.2017-1