Paracelsus-Spital geht in die Offensive (Höfner Volksblatt)

Das Paracelsus-Spital in Richterswil wurde auf Anfang Jahr vollumfänglich von der NSN Medical AG übernommen. Es soll in Zukunft nicht nur als anthroposophisches Institut, sondern als Regionalspital mit Basisversorgung wahrgenommen werden

Das Paracelsus-Spital in Richterswil, wer kennt es nicht. Da wird doch Alternativ- oder Komplementärmedizin angeboten, so die landläufige Meinung. Doch das greife zu kurz, machte Spitaldirektor Jens Weber gestern an einer Unternehmenspräsentation für Medien klar: «Viele glauben, ins Paracelsus-Spital komme man nur zum Gebären und Sterben, doch wir sind ein Spital für die Region mit Basisversorgung, mit solider Grundmedizin.» Oft seien Besucher und Patienten überrascht, wie modern das Paracelsus-Spital eingerichtet sei.

Ganzheitliche Medizin

Der Unterschied sei, dass sie den Fokus auf ganzheitliche, integrative Medizin richteten, ergänzte Jürgen Robe als Ärztlicher Leiter. Das heisst, die Schulmedizin werde mit der Komplementärmedizin verbunden. Viele der Ärzte, Pflegenden und Therapeuten würden deshalb eine Doppelausbildung sowohl in der klassischen Schulmedizin als auch in komplementärmedizinischen Verfahren besitzen. Klar könnten sie nicht alle Spezialbehandlungen anbieten. Die Schwerpunkte lägen bei der Geburtshilfe, dem Zentrum für Integrative Onkologie, dem Magen-Darmzentrum und der Senologie (Brusterkrankungen).

NSN übernimmt ganzes Spital

Um für die Zukunft gerüstet zu sein und auch ökonomisch wirtschaften zu können, wurde nun ein weiterer Schritt vollzogen. Anfang Jahr hat die NSN Medical AG das ParacelsusSpital zu 100 Prozent übernommen. 2013 hatte der bisherige Eigner, der 1994 gegründete Spitalverein, bereits 60 Prozent abgegeben. Dieser Verein mit seinen etwa 1500 Mitgliedern habe erkannt, dass der Betrieb eines Spitals nicht mehr zu seinen anthroposophischen Kernkompetenzen gehöre. Über den Preis wurde Stillschweigen vereinbart.

Die NSN Medical AG wurde 2001 von vier Anästhesieärzten, unter ihnen Jürgen Robe, gegründet. Im Lauf der Jahre entstanden insgesamt acht Unternehmen unter dem Dach der NSN-Gruppe. Sie beschäftigt rund 500 Mitarbeitende und erzielt einen konsolidierten Umsatz von 85 Mio. Franken. Mehrheitsaktionäre sind Verwaltungsratspräsident Mark Kohler,
Jürgen Robe als CEO sowie die drei weiteren Gründerärzte. Wichtige Investoren sind auch Ergoneon und Wineus.

Schwierige Zeit gemeistert

So will sich das Paracelsus-Spital medizinisch und ökonomisch für die Zukunft rüsten, wie Jens Weber erläuterte. Die Zahlen (siehe Box) geben durchaus Anlass zu Optimismus.
Jürgen Robe verhehlt aber nicht, dass 2015 «ein schlimmes Jahr» gewesen sei. Die 2,1 Mio. Fr. minus hätten sie aber wieder aufgeholt, das operative Ergebnis sei um 3 Mio. Fr. verbessert
worden, womit sie leicht im Plus seien. Robe und Weber sind sich bewusst, dass sie sich erst am Anfang des Wegs befinden. Die Umbrüche in den letzten Jahren – so ist zum Beispiel die EtzelKlinik als «Zulieferer» für Patienten abgesprungen – hätten sich auch auf den Personalbestand ausgewirkt. Eigentliche Kündigungen seien aber lediglich etwa 15 ausgesprochen worden, die anderen Abgänge hätten durch die normale Fluktuation aufgefangen werden können. Insgesamt ist der Personalbestand allerdings doch um mehrere Dutzend Angestellte gesunken.
Jürgen Robe und Jens Weber hoffen als Verantwortliche, dass mit dieser neuen Positionierung eine ruhigere Phase für das Paracelsus-Spital beginnt, allerdings verbunden mit stetigem
Wachstum. «Der Bedarf wird steigen», sind sie überzeugt.

Artikel als PDF: HoefnerVolksblatt_20170118_07-1