Paracelsus-Spital will ganzheitliche Medizin weiter ausbauen (Zürichsee-Zeitung)

Der Trägerverein Paracelsus-Spital hat seine Beteiligung am Spital verkauft. Die neue Alleineigentümerin NSN Medical AG verspricht einen Neubeginn.

Mit dem Jahreswechsel haben beim Paracelsus-Spital in Richterswil zum zweiten Mal innert drei Jahren die Eigentümerverhältnisse geändert: Die NSN Medical AG hat das Paracelsus-Spital zu 100 Prozent übernommen.

Fast zwanzig Jahre lang war der Trägerverein Paracelsus-Spital Alleineigentümer des Regionalspitals. Vor gut drei Jahren wandelte der Trägerverein das Spital in eine Aktiengesellschaft
um; gleichzeitig verkaufte er die Mehrheitsbeteiligung, rund 60 Prozent, an die NSN Medical. Das Paracelsus-Spital wurde fortan als Gemeinschaftsunternehmen geführt.

Anfang 2017 hat die NSN Medical das Paracelsus-Spital vollständig übernommen. Dadurch wird sich der Trägerverein künftig nicht mehr aktiv um den Spitalbetrieb kümmern, er wird
aber weiterhin die anthroposophische Forschung, die anthroposophische Medizin sowie die anthroposophische Pflegeausbildung fördern.

Mehrheitsbeteiligung der NSN schlug hohe Wellen

Die vergangenen drei Jahre, während denen der Trägerverein und die NSN Medical das Paracelsus-Spital als Gemeinschaftsunternehmen führten, waren von starken Unruhen
geprägt. Mitarbeitende wurden entlassen, was die Gewerkschaft VPOD scharf kritisierte, da die Sozialpartner nicht informiert worden seien. «Wir hatten eine andere Philosophie als der Vorbesitzer. Wir stellten Leistungsanforderungen an das Personal, was zur notwendigen Restrukturierung gehörte», sagt Jürgen Robe, Ärztlicher Leiter des Paracelsus-Spitals und Verwaltungsratsmitglied der NSN Medical. «Ohne diese Korrekturen hätte das Spital keinen Bestand mehr gehabt.»

Ein herber Schlag war der Wegfall der Etzelclinic als Kooperationspartnerin vergangenes Jahr. Aus ökonomischen Gründen verloren in der Folge mehrere Angestellte ihre Stelle.
Den Aufbau eines ambulanten Arztzentrums beim Chrummbächli sowie mehrere Sanierungen und Erweiterungsbauten wertet die Spitalleitung hingegen als positiv.

Vollständige Übernahme soll in ruhigere Gewässer führen

Nach einem Verlust von mehr als zwei Millionen Franken 2015 sei das Paracelsus-Spital mittlerweile auf Erholungskurs. Die Organisation ist optimiert und die Fallkosten sind gesenkt worden, sagt Robe. «Es ist ein operativer Gewinn vorhanden, die Hälfte des Weges hin zur Erholung sind wir bereits gegangen.»

Obschon die Etzelclinic als Kooperationspartnerin weggefallen ist, haben die stationären Fälle vergangenes Jahr nicht abgenommen, sondern bei 3000 Fällen stagniert. Jürgen Robe ist optimistisch: «Es ist durchaus eine realistische Zielsetzung, die Fallzahlen in den nächsten drei Jahren um fünf Prozent zu steigern.» Es sei notwendig, den Gewinn um weitere drei Millionen zu steigern, um auch künftig Investitionen tätigen zu können, so etwa die Renovation des dritten Stockwerks.

Für das Personal habe die vollständige Übernahme des Paracelsus-Spitals durch die NSN Medical keine Auswirkungen gehabt,
sagt Jens Weber, Direktor des Paracelsus-Spitals.

«Komplementärmedizin kann Schulmedizin nicht ersetzen»

Den künftigen Schwerpunkt sehen Robe und Weber in der Förderung der ganzheitlichen Medizin. Den wichtigsten Pfeiler bilde die Doppelausbildung der Fachärzte sowie des Pflegepersonals: die schulmedizinische Ausbildung sowie eine komplementärmedizinische Weiterbildung. Wichtig sei dabei, auf das Bedürfnis der Patienten einzugehen und anthroposophische Pflege dort einzusetzen, wo sie Sinn mache. Dazu gehören unter anderem Wickel, anthroposophische Medikamente, heilmedizinische Massagen sowie die Maltherapie, die
bereits heute in den Bereichen Gynäkologie, Geburtshilfe, innere Medizin und Palliativmedizin, Onkologie sowie Senologie angewendet werden.

Artikel als PDF: Zürichsee Zeitung_18.01.2017-1